Unter dem Thema „Vertreibung –Neuansiedlung – Integration. Migrationsprozesse links und rechts der Neiße nach 1945“fanden am 21.10.2017 die Krobnitzer Gespräche auf Schloss Krobnitz bei Görlitz statt. Sie wurden durch das Zentrum für Kultur//Geschichte organisiert. Ausgangspunkt waren die Präsentation der Ergebnisse des in der Trägerschaft der Zittauer Museen stehenden und durch die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien geförderten Forschungsprojekts „Ich konnte meinen Hof doch sehen. Vertreibung und Integration im Zittauer Zipfel 1945-1950/51“ sowie ein Fazit.

 Außerdem wollten wir mit den Vertriebenen noch einmal ins Gespräch kommen.

In seinen nachdenklich stimmenden Grußworten wies der Görlitzer Landrat Bernd Lange darauf hin, dass uns heute wieder Flucht und Vertreibung ganz plastisch vor Augen stehen, auch wenn dies nicht mit den Ereignissen vor reichlich 70 Jahren vergleichbar ist. Die Verwerfungen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind in nahezu jeder Familie im deutsch-polnischen Grenzgebiet in irgendeiner Weise präsent.

>Dr. Lars-Arne Dannenberg skizzierte zunächst die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Gebieten rechts der Neiße und ihren Neuanfang und Integration auf dem linken Neißeufer, während Dr. Matthias Donath die polnische Inbesitznahme und Besiedlung der rechtsseitigen Gebiete vorstellte. Einen Sonderfall stellte die weitgehend geschlossene Ansiedlung vertriebener Deutscher aus dem Gablonzer Raum in Nordböhmen aufgrund aufeinander aufbauender Gewerke in einer hochspezialisierten Schmuckindustrie dar, was sogar zur Ortsgründung von Neu Gablonz auf einem ehemaligen Militärgelände in der Nähe von Kaufbeuren führte. Zwar musste die Leiterin des Isergebirgsmuseums in Neu Gablonz, Ute Hultsch, aufgrund einer Erkrankung ihre Teilnahme kurzfristig absagen, sie stellte aber einen eindrücklichen Kurzfilm zur Verfügung. Schließlich erläuterte Dr. Jens Baumann vom Sächsischen Ministerium des Innern die Anstrengungen des Freistaates bei der Umsetzung der Vorgaben von § 96 BVFG bei der Pflege des Kulturgutes der Vertriebenen und Flüchtlinge sowie der Förderung der wissenschaftlichen Forschung.